Der Affenkönig und die Kommunistin

Gelbflussgeister

Die Ausgabe des Greifenverlages aus den 50er Jahren

Eine Leseratte war ich zeitlebens. Natürlich haben sich die von der Großmutter vorgelesenen, erst recht die selbst verschlungenen Bücher besonders tief eingeprägt. Zu ihnen gehört “Die Geister des Gelben Flusses”, eine Sammlung chinesischer Märchen und Legenden. Der deutsche Sinologe Richard Wilhelm hatte sie 1914 bei Eugen Diederichs herausgegeben, eine gekürzte Lizenz-Ausgabe des Greifenverlags Rudolstadt bekam ich zu Weihnachten 1959 geschenkt. Namentlich die letzte Geschichte, “Der Affe Sun Wu Kung”, grub sich mir ins Gedächtnis und blieb dort, obwohl kurz danach der politische Bruch zwischen Maos China und Chruschtschows Sowjetunion die Kultur des Reiches der Mitte weitgehend aus Bibliotheken und Schulbüchern der DDR verbannte – keine Nachauflagen für “Die Geister des Gelben Flusses”. Daran konnte auch das Nachwort der treuen Kommunistin Klara Blum (chinesisch 朱白兰) nichts ändern, die mit Zitaten Maos und eines damaligen Vizekulturministers die uralten Texte von der Schlacke feudalen Aberglaubens reinigen und dem “jahrtausendelangen revolutionären Traum des Volkes, den es schließlich aus eigener Kraft verwirklicht hat” zuschlagen möchte. Sie lobt Richard Wilhelm als Übersetzer, wirft ihm zugleich vor, in patriarchalischer und bürgerlicher Begrenztheit nicht zu erkennen, dass Sun Wu Kung “die Verkörperung der unterdrückten Klassen in der Ming-Zeit” sei. Die Marxistin fordert im Fahrwasser von Mao und seinen Apparatschiks die Deutungshoheit über das “kulturelle Erbe”. Ihre Erfahrungen in Stalins Russland, wo ihr chinesischer Ehemann sein Leben 1943 in einem Lager verloren hat, erschüttern diesen Glauben nicht.

Die Ironie der Geschichte will, dass Mao und seine “Roten Garden” – von ihrer Mission besonders begeisterte jugendliche Kommunisten – während der “Kulturrevolution” fast die gesamte klassische chinesische Literatur – die westliche Kultur sowieso – buchstäblich vernichten wollten. Zehn Jahre lang, von 1966 bis 1976, rotteten sie alles aus, was nicht zum Bild der einzig wahren Volksherrschaft nach vollendetem Klassenkampf und zu deren vollkommener Harmonie passen mochte. Menschen mit abweichender Meinung wurden denunziert, gedemütigt, in Gefängnisse und Arbeitslager deportiert, ermordet. Tempel, Museen und andere Kulturstätten verwüsteten die Revolutionäre, sie ruinierten das Bildungssystem, indem sie jegliche Wissenschaft, vor allem die Geschichte, an die Bedürfnisse Maos und seiner Gefolgschaft anpassten. Erst nach Maos Tod begann ein mühsamer und widersprüchlicher Weg der Rückbesinnung auf die chinesische Tradition. Der Affe Sun Wu Kung allerdings hatte überlebt, wurde sehr schnell wieder zum Volkshelden; zahllose Filme, Spiele, Kitschprodukte bezeugen seine Unsterblichkeit.

JadekaiserWeihnachten 1959 fesselten mich, den damals Neunjährigen, all die Märchen aus China: Götter und Göttinnen, Dämonen und Gespenster, Flussgeister, Drachen, Hexen und Zauberer verwoben sich darin zwischen Traum und Wirklichkeit so selbstverständlich mit lebendigen Menschen, wie ich es aus Märchen der Gebrüder Grimm und vielen anderen kannte: In Großmut, Liebe und Niedertracht. Ich bestaunte Holzschnitte, die mir im Vergleich zu den Aquarellen meiner Mutter nüchtern, gleichwohl exotisch und geheimnisvoll erschienen. Es gab einen Jadekaiser als Herrn des Himmels, eine Göttin der Barmherzigkeit, einen “göttlichen Landmann” – und alle diese Figuren konkurrierten nicht mit meinem kindlichen Glauben an christliche Verhältnisse von Heiligkeit. Sie waren anders, sehr fern, wohingegen die irdischen Verhältnisse – Neid, Habgier, Zwietracht, Eitelkeit, Herrschsucht, Gewalttätigkeit, Heuchelei, Feigheit… in Konkurrenz zu (auch von meiner Großmutter beschworener) Hilfsbereitschaft, Redlichkeit, Mut, Aufrichtigkeit, Geduld, Höflichkeit… – sich offenbar im fernen China seit alten Zeiten nicht anders gestalteten als in Suhl, einer Bezirkshauptstadt des Arbeiter- und Bauernstaates DDR. Dort ging ich zur Schule und machte auf dem Pausenhof satirisch meiner Empörung über sozialistische Kulturvernichtung in der Volksrepublik Luft. Natürlich gab es Parallelen: Das 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 – auch als “Kahlschlag-Plenum” bezeichnet – hatte eine radikale, dogmatische Parteilinie für die gesamte künstlerische und wissenschaftliche Arbeit durchgesetzt. Das war auch im Unterricht deutlich spürbar.

Der 16jährige Pennäler erfand den “Genossen WU” (leicht als Initial des Spitzbarts an der Spitze zu erkennen), führte absurde Erlasse, blödsinnige Verbote und ideologische Flohknackereien vor. Unterm Gelächter und Applaus von Mitschülern fühlte er sich als Affenkönig Sun Wu Kung aus dem Märchenbuch, der den Himmelsherren herausfordert. Tatsächlich brachten ihm seine Heldentaten eine Einladung zur Schulleitung ein, es war nicht die letzte Strafmaßnahme hochmögender Tempelwächter des Sozialismus. 1989 erlaubten sie ihm schließlich “Die Reise nach Westen”, aber anders als der Sun Wu Kung im klassischen Chinesischen Roman der Ming-Zeit trat er sie nicht als Begleiter einer Delegation an, die weise Schriften des Buddha gen Osten holen sollte, auf dass verkommene Verhältnisse und ehrlos Regierende geläutert würden. Im Osten war Hopfen und Malz verloren. Das einzige was vom Reich der Moskauer Kommunisten und ihrer Statthalter in Ostberlin übrig blieb, war der Aberglaube, ihre Lehre brächte das Heil auf Erden. Meine Reise führte in den folgenden Jahren auch nach China, wo ich Vielfalt und Reichtum überkommener Kulturen bestaunte und verfilmte, zugleich die Schattenseiten der politischen Herrschaft daselbst erfuhr.

Guanyin_GeisterWelche Gottheit mich mit meiner chinesischen Lebensgefährtin zusammengeführt hat, ist bis heute zwischen uns umstritten. Shiqin behauptet, es sei Guanyin, die Göttin der Barmherzigkeit gewesen, ich würde auf Sun Wu Kung wetten. Zum einen demonstriert die Chinesin gern, dass sie mich jederzeit zum Narren halten kann, zum anderen ist sie im Jahr des Affen geboren, und schon als wir uns kennenlernten waren der alte Sun und seine Streiche Gesprächsthema. Wir sind seither einige Mal in China gewesen, haben viele dicke Bücher zusammen gelesen – vor allem zeitgenössische wie die des großartigen Liao Yiwu – aber auch Klassiker wie den “Traum der roten Kammer”.

Als kürzlich “Die Reise nach Westen” bei Reclam in einer vortreffliche Neuübersetzung der Schweizer Sinologin Eva Lüdi Kong erschien, waren wir hocherfreut. Der Wälzer von über 1300 Seiten unterhält uns seit Wochen, nicht nur wegen der drolligen Affengeschichten, über die wir uns schon als Kinder amüsierten, sondern wegen der vielen Querverbindungen zu chinesischer Kultur, Mythologie, Geschichte, die sich Dank der Kommentare und Anmerkungen von Eva Lüdi Kong verfolgen lassen. Wer Chinesisch lernt, kommt an diesem Klassiker kaum vorbei – und wird eine Menge Spaß haben, wenn er in Sun Wu Kungs Abenteuer, allerlei Konflikte von Göttern und Menschen und in die Lehren von Konfuzius, der Buddhisten und Daoisten eintaucht.

Mag sein, dass auch “Die Reise nach Westen“ Objekt von Kämpfen um die Deutungshoheit bleibt – zwischen Anhängern von Religionen und von Mao, Feministinnen, Genderbewegten, Fachwissenschaftlern. Sie alle werden – wie der Vizekulturminister – längst vergessen sein, wenn die alten Texte jedem, der sie zu lesen versteht, immer noch ihre Weisheit und ihren Humor offenbaren.

Weihnachtsgeschichten

20160311_201637.jpg Annegret und Bernd Müller (Gesang, Gitarre) und Achim Quellmalz (Klarinette) gestalten inzwischen gemeinsam mit mir unsere Literaturabende im Atlantic Parkhotel in Baden-Baden. Das Foto entstand bei “Rilkes Blick, Rilkes Gesichter” im März. Seit 2013 unterhalten wir Gäste und Besucher des Hauses auch am Nachmittag des 24.12.; mit Geschichten und Liedern stimmen wir auf den Heiligen Abend ein. Es begann 2013 mit “Nussknacker und Mausekönig“ von E.T.A. Hoffmann 2014  folgte „Weihnachtsschmuck: Friede – Freude – Eierkuchen?“, ein unterhaltsamer Dialog zwischen Bruder und Schwester, die sich ihrer Kindheit in den 50er Jahren erinnern. Die Geschichte ist in meinem literarischen Weblog veröffentlicht. Lachend über schräge Episoden aus Zeiten des Mangels fragen sich die Geschwister: Könnten wir uns heute noch so von der Weihnacht verzaubern lassen? Was ist geblieben vom Entzücken, von der Stimmung jener Jahre, als tradiertes Ritual und kleinste Geschenke die Augen leuchten ließen?

Hotelgästen und Hotelleitung gefiel das so gut, dass sie sich einen alljährlichen „Weihnachtskaffee“ im Kaminzimmer wünschen. 2015 amüsierten sie sich über „Die Weihnachtshasserin“. Eine Probe dazu habe ich  als Video auf YouTube hochgeladen. Das Programm für 2016 wird hier noch nicht verraten.

Hausgötter, Epigonen, Trittbrettfahrer – und Autoren

DSCN4415“Literatur stimmt die Saiten, auf denen das Leben spielt.” Meinen Wechsel von der Naturwissenschaft ans Theater fasste ich mit 25 in diesen Satz. In der Physik, Schauspielregie, in vielen Jahren Praxis als Autor für Öffentlich-Rechtliche Medien, beim Schreiben von Büchern und Publikationen im Web: Mein Leben lang hat mich dieser Satz begleitet. Und so sehe ich es immer noch, nachdem meine “Erwerbsbiographie” mit dem Erreichen des “Renteneintrittsalters” abgeschlossen ist. Wenn ich zurückblicke, war dieses selten unterlassene “Stimmen” Anfang und unverzichtbare Voraussetzung für viele wundersame Konzerte, fürs Zusammenspiel mit den liebenswertesten Menschen, die sich einer wünschen kann – und wenn ich versäumte, auf sie zu hören, kassierte ich bittere Niederlagen.

Dieses Geschehen durfte ich literarisch verdauen, verdichten: Dankbar empfange ich Zuspruch vom Verleger, von Rezensenten, von meinem Publikum bei Versuchen, Texte spielerisch und im Dialog mit Zuhörern leben zu lassen. Natürlich hatte ich Lehrmeister, nenne sie meine literarischen Hausgötter und verzichte aufs Herunterbeten der langen Liste von der Antike bis zur Gegenwart. Ihnen allen ist nur eines gemeinsam: Ihre unverwechselbare Qualität. Dass sie über die Jahrhunderte hinweg, bisweilen auch in Emergenz, eine enorme Leserschaft gewannen, spricht dafür, aber es ist nicht diese Quantität, mit der sie mein Herz eroberten und weshalb ihre Texte für mich lebenserhaltend waren. Tatsächlich konnte ich sie im Konzert des Lebens immer hören, auch dann, vor allem dann, wenn ich selbst falsche Töne produzierte.

Seit einigen Jahren habe ich meiner Neugier, Leidenschaft und Wertschätzung für Literatur das Bemühen hinzugefügt, auf interessante Texte aufmerksam zu machen. Rezensionen im Programm von SWR 2, im eigenen und freundschaftlich verbundenen Weblogs sollen nicht nur jüngeren, sondern auch zu Unrecht vergessenen Autoren Leser zuführen. Dabei leiste ich mir in einem auf womöglich skandalträchtige Vermarktung ausgerichteten Literaturbetrieb einen eisernen Grundsatz: Keine Verrisse! Es ist viel von Aufmerksamkeitsökonomie die Rede – und wieso sollte ich meine und die Zeit von Lesern an schlechte Texte verschwenden, während andere, wenig beachtet und nicht von Agenturen und Großverlagen “gepushte” Talente unbeachtet bleiben? Keine Verrisse – und sei der Autor noch so prominent und die verlegerische Kampagne noch so aufwendig finanziert. Das ist freilich eine Haltung, die in Redaktionen etablierter Medien wenig Resonanz findet, sie sind auf Quoten – und Skandal macht Quote – fixiert wie die Verlage aufs Verkaufen. Mir, dem alten Mann, kann das egal sein. Ich darf nach den Begabungen suchen, die nicht in die Schemata von Quote und Auflagenhöhe passen. Allerdings verpflichten mich meine literarischen Hausgötter auf einige Fragen an die Autorinnen und Autoren:

”Was erwartet ihr von mir als Leser? Bewunderung? Mitgefühl? Empörung? Konsens? Schlüpfrigen Voyeurismus, gern beim Inszenieren von Gewalt – Macht – Lust?” Dafür bin ich nicht zu haben. Ich orientiere mich an Qualitäten der Großen, nicht der Massentauglichen (Quote). Anfang des 19.Jahrhunderts hießen sie Kotzebue, Raupach, Clauren, Birch-Pfeiffer, Anfang des 20. Courths-Mahler, Eugenie Marlitt, Rudolf Herzog… Nichts gegen “Trivialliteratur”: Die Lektüre lohnt sich allein deshalb, weil einer lernen kann, welchen Mustern Verkäuflichkeit folgt, auch, welche Literatur sich von Diktaturen und Herdenimpulsen in Dienst nehmen lässt. Genau dazu taugen meine literarischen Hausgötter gewiss nicht. Mit ihnen werde ich auch meine letzten Lebensjahre höchst vergnüglich zubringen. Ganz sicher werde ich keine Zeit an Verrisse von Epigonen, schlimmer: Trittbrettfahrern, verschwenden, die sich etwa von einem Emile Zola oder George Simenon den moralischen Anstrich für ihren bequemen Sozialkitsch borgen oder von H. G. Wells, Orwell oder Stanislaw Lem die Faszination der SciFi. Ich ignoriere Autoren, deren Blick starr auf die “Tatort”-Verfilmbarkeit oder sonst irgendeine Vermaktungschance – möglichst in Serie – gerichtet ist. Viel Erfolg, Leute, aber dafür ist mir meine Zeit zu schade.

Rilkes Blick– Rilkes Gesichter

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Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge”, der einzige Roman des als Dichter gefeierten Rainer Maria Rilke, gilt als schwierige Lektüre. Als er ihn fertigstellte, war Rilke gerade 35, aber er war weit gereist und er hatte auf unvergleichliche Art Reisen und Leben, Kindheit und Liebe, scharfe Beobachtung und üppige Phantasien zu einer besonderen Prosa verdichtet. Wie viel Kraft  und Haltung ihr abzugewinnen ist, wie viel Spannung und Witz in seinen vermeintlich düsteren, elegischen Texten steckt – darüber durften wir bei “Leben Lesen” am Abend des 11. März staunen. Gespräche über Rilkes Reisen und Bezugspersonen – vor allem seine 16 Jahre ältere große Liebe Lou Andreas-Salomé, skandalumwittert und von Berühmtheiten wie Nietzsche und Frank Wedekind erfolglos umworben – unterhielten die Gäste ebenso wie die musikalischen Intermezzi von Annegret und Bernd Müller (Gesang, Gitarre) und Achim Quellmalz (Klarinette). Die “literarische Jamsession” weckte Lust auf mehr Rilke, Lust auf mehr große Literatur. Danke an Rilke, Danke an die Musiker und das gastfreundliche “Atlantic Parkhotel

Karolina Leppert: Männermanieren – Standpauke aus dem Rotlicht

MännermanierenDiese Autorin tritt selbstbewusst auf, daran lässt sie weder mit ihrem Foto auf dem Schutzumschlag noch mit den ersten Sätzen ihres schmalen Büchleins zweifeln. Sie darf das, denn schon das Thema sichert ihr gehörige Aufmerksamkeit; so gut wie alle Medien berichten obendrein gerade darüber, wie der Gesetzgeber neue Leitplanken im bezahlten Geschlechtsverkehr installieren will. Erzwungene Prostitution und Menschenhandel will er damit einschränken – eine ziemlich liberale, auf besseren juristischen und sozialen Schutz für die Frauen zielende Regelung aus dem Jahr 2003 hat darin anscheinend nicht nur versagt, sondern kriminelle Dunkelfelder noch erweitert.

Karolina Leppert übt ihren Beruf als Sexarbeiterin mit Lust und Überzeugung aus. Ich nehme ihr das umso leichter ab, als sie nicht nur sehr offen redet, sondern auch unverschnörkelt, gescheit und vor allem mit Witz: Ich habe mich bei einer Lektüre lange nicht mehr so gut amüsiert. Dabei geht es drastisch zu; die „Standpauke“ kommt von Herzen und es ist Lebensklugheit, Gefühl und Empathie darinnen, wenn auch die „Manieren“ einen wünschen lassen, zugehörige Männer dorthin zu treten, wo schon der Klappentext einen tragikomischen Treffer landet.

Die Domina Karolina Leppert kommt rasch zur Hauptsache, und sie handelt sie souverän ab: Die Internetpornographie konditioniert Männer, indem sie ihre Phantasie verstellt. Das Geschlechtliche mit all seinen im tiefsten Lebenskern wurzelnden individuellen Spielarten wird vom physischen Geschehen zwischen Menschen entkoppelt, stattdessen implantieren bewegte Bilder Erwartungen, die im Virtuellen, keineswegs aber in der Realität erfüllbar sind. Vergleichbares lässt sich in den Gewaltspielen und Actionfilmen erfahren – und manche, die dort eintauchen und ihr Ego ins Gigantische übersteigern, schalten mit dem Computer keineswegs die Wünsche nach digital erzeugten Dopaminschüben ab: Gewalt-Macht-Lust kann um so leichter zur Droge werden, wenn sie folgenlos bleibt. Das Phänomen ist auch an den Pöblern (und Pöblerinnen) zu beobachten, die ihre Aggressionen im mehr oder weniger anonymen Social Web unverdrossen austoben.

Wie die Verfasserin in ihrer Rolle als Domina, wie ihre leid- und lustgeprüfte Kollegin Mariella mit solchen von pornographischen Extremen besessenen Kunden in der harten Realität zurechtkommen muss, das erzählt sie geschickt, indem sie die „Standpauke“ aus einem Gespräch mit Mariella heraus entwickelt. Vielleicht ist Mariella nur eine Kunstfigur; Karolina Leppert könnte zweifellos genügend Geschichten aus ihrer Arbeit für das Prostituierten-Netzwerk „Hydra“ in einer solchen verdichten. Man(n) muss sie einfach mögen. Und dass die Männer in Lepperts Standpauke mit fast therapeutischer Nachsicht behandelt werden, ohne feministischen Furor, dafür mit scharf beobachtendem Sarkasmus, Selbstreflexion und großem Humor, hebt diesen Text aus den zahllosen so bedeutungstriefenden wie folgenlosen Einlassungen zum Thema heraus. Dass der Alltag von Menschenhandel, Vergewaltigung und Zwangsprostitution grausam ist, lässt er einen keinen Augenblick vergessen, gerade weil die Autorin in einem verhältnismäßig zivilisierten Bereich zu Hause ist. Aber da die Politik den Dunkelfeldern ziemlich hilflos gegenüber steht, ist die Standpauke für die Kunden – meist Männer – umso mehr angebracht. Für die Kundinnen auch.

Karolina Leppert, Männermanieren. Standpauke aus dem Rotlicht, edition a, 128 Seiten, erschienen am 27. Februar 2016, 16,90 Euro.

Vor der Lesung

rainer_maria_rilke‪#‎Rilke‬ lesen ist…Rilke lesen. Mir fallen keine Attribute ein, weil ich dabei viel mehr erlebt habe, als die so respektvolle wie flüchtige Bekanntschaft mit Gedichten und Blicke auf Biographisches erwarten ließen. Wie dieser Eigenartige durch das Europa des Fin de Siecle zog, russische, französische, schwedische, italienische… Impressionen aufsog und verdichtete! Er hat von sich selbst behauptet, dass er kein Leser sei, es vielleicht erst werden müsse – dazu hatte er keine Zeit. Mit gerade 51 starb er, schon zu Lebzeiten berühmt, und in Furcht vor dem Ruhm:

 

Ich fürcht mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.
Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.
Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle Dinge um.

Zwischen Lebenswillen und Suchtgedächtnis

siemes

Ein bequemer Zeitgenosse war er nicht, der Werbetexter Reinhard Siemes, das merkt man, wenn er sich mit seiner Branche auseinandersetzt. Er kannte die Gipfel beruflichen Erfolgs, stand dem “Art Directors Club” vor, und erlebte Korruption, Intrigen, legte sich mit Auftraggebern an, ertrug finanzielle Durststrecken. Er hat an deutschen Hochschulen unterrichtet, spießt deren Schlendrian auf, veralbert Prominente und Politiker. Wer die 56 Episoden liest, die Siemes aufgeschrieben hat, findet einen satirischen bis sarkastischen Schalk – und einen schweren Trinker.

Auf 45 Jahre seines Lebens schaut der Autor in diesem “autobiographischen Sachbuch” zurück; als er 2011 stirbt, hat er sein Buch abgeschlossen, aber nicht fertiggestellt. Er hätte wohl noch viel zu erzählen gehabt über Zustände in deutschen Kliniken, in denen Alkoholiker wie Aussätzige, nicht wie Patienten behandelt werden, über hilfsbereite und sadistische Pfleger, erfolgreiche und überforderte Therapeuten. Siemes war Alkoholiker, an Leib und Seele erfahren durch zahlreiche Entzüge und ebenso viele Rückfälle. Dass er sie nicht chronologisch erzählt, gibt dem Ganzen zusätzlichen Reiz: In einem Geschehen aus lauter Parabelflügen zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Erfolg und Verlust, Aufschwung und Absturz wechseln die Landschaften und Zeiten, während der Erzähler zwischen Höhen und Tiefen navigiert, uns dabei mit Schnurren unterhält oder auf Bilder beschämenden Kontrollverlusts stößt. Das eindringlichste stammt von einer Freundin, die beschreibt, wie sie Siemes 2007 nach schwerer Trinkerphase vorfand und den halbtoten, stinkenden alten Mann in eine Klinik verfrachtete. Siemes schont sich selbst nicht, wenn er solche Episoden einflicht.

Aber er reflektiert fortwährend, was ihn treibt. Immer wieder führt er fiktive Dialoge mit seinem „Todfreund“, prüft das Für und Wider des Gruppenentzugs bei den Anonymen Alkoholikern oder Synanon, fragt nach der Eigenverantwortlichkeit des Trinkers – und findet keine gültigen Antworten. Auch darin erscheint der Grundkonflikt: Ein Begabter, ein auf Freiheit und Selbstbestimmtheit Orientierter erlebt sich im Erfolg – und stößt an Grenzen, die er nicht verschieben kann. Womöglich zweifelt und verzweifelt er dann mehr an sich selbst als an den Grenzen. Er sucht Trost, er sucht Belohnung beim Suchtmittel. Egal ob Spielsucht, Sexsucht, Drogen- oder Arbeitssucht: Es funktioniert ja, und so päppelt jeder Süchtige sein Suchtgedächtnis. Der Konflikt zwischen Schmerz des Entzugs, nötigem Trainingsaufwand für ein Leben ohne Droge und Verlockung in den Rückfall frisst enorme Energien. Oft zu viel, um beruflich nicht zu versagen, zu viel, um die persönlichen Bindungen an Freunde, Lebenspartner, das Leben selbst nicht zu gefährden. Reinhard Siemes hat trotzdem in seinen letzten Jahren ab 2005 immer noch einmal Neues unternommen: Mit seiner Lebensgefährtin Ika Bratuscha hat er ein Antiquitätengeschäft in dem kleinen Kurbad Rogaška Slatina in Slowenien eröffnet, er hat gedichtet, schließlich seine Erinnerungen niedergeschrieben.

Wer soll dieses Buch lesen? Reinhard Siemes beherrscht sein sprachliches Handwerk, er streut sogar einige humorige Gedichte ein, die Texte sind ohne Schnörkel. In manchem war er seiner Zeit voraus: Die Idee einer Werbung für die Henninger-Brauerei, in der ein künstlich geschürter Zwist der Pils- und der Export-Trinker „viralisieren“ sollte, wurde seinerzeit verworfen, 30 Jahre später von einem Süßwarenhersteller benutzt. Vieles wäre einer Jugend zu empfehlen, die beim Komasaufen im Vergleich zu uns Alten durchaus mithalten, aber auf ein breiteres Spektrum an Drogen, auch an Fürsorge zurückgreifen kann. Sie wird es nicht lesen. Zeitgenossen wie ich werden sich amüsieren, an Siemes‘ Selbstbefragungen interessiert teilnehmen, sich fragen, wie ihre eigenen letzten Episoden aussehen sollten. Irgendwann gibt der Todfreund dem Gevatter die Klinke in die Hand. Nicht nur den Pflegern, Therapeuten und Trinkern sei bis dahin das Buch empfohlen.

Reinhard Siemes „Mein Todfreund der Alkohol“

avedition August 2015

Gebundene Ausgabe, 360 Seiten, 24,90 €

Enteignung

Herrenstraße26Die Ängste sind wieder da. Was einem zugeeignet wurde von Vater und Mutter, von Generationen fleißiger, irrender, in Krisen und Konflikte verstrickter Vorfahren, soll weg. Die Bindung an ein Dach überm Kopf soll gelöst, eine Immobilie vermarktet werden. Die festen Mauern sollen sich zu Geld verflüssigen. Ein vertrauter, nur dem Bewohner vertrauter Wert – der des Gebrauchs, des Wohlfühlens und der Geborgenheit – soll verwertbar im Sinne des gleichgültigen Marktes sein, der einer der größten Erfolge der Gattung ist – und ein Schlachtfeld der Begehrlichkeiten von Individuen, Gruppen, Korporationen, denen Heimat nichts bedeutet. Sie rechnen. Sie dominieren. Sie haben elaborierte Rechtfertigungen dafür, Leben seiner Lebensräume zu enteignen – egal ob es Häuser, Dörfer, Städte, Landschaften oder ganze Kontinente sind.

Es sind fast 50 Jahre, dass der DäDäÄrr-Staat meine Mutter und Großmutter vor die Entscheidung stellte, ihr Haus, das Haus meiner Kindheit, samt dem zugehörigen Grund mitten in der Stadt, entweder für einen Pappenstiel zu verkaufen oder enteignet zu werden. Die beiden machtlosen Frauen konnten nicht ahnen, dass die Enteignung die komfortable Lösung war. 20 Jahre später hätte ihnen das eine “Restitution” beschert – und ein Millionenvermögen. Sie hätten kaum Zeit gehabt, in den verbleibenden Lebensjahren diese Millionen auszugeben. Als meine Großmutter 1993 starb, spielte Geld keine Rolle – wie in den Jahrzehnten zuvor. Wir nahmen voneinander Abschied in Liebe.

Meine Mutter lebte ab 1996 – betreut von meiner Schwester – fern jenem Ort, wo die als Verkauf getarnte Enteignung stattgefunden hatte, zur Miete. Die Eigentümerin des Hauses gehört zu den wenigen Menschen mit einer ganz persönlichen Haltung zum Grundgesetz: Eigentum verpflichtet! Sie wurde zur Freundin der Familie – und das Haus war gesegnet. Die alte Dame malte die schönsten Bilder, deren sie fähig war, sie hängen immer noch erheiternd und farbenfroh in Gängen und Treppenhaus. Die Eigentümerin wusch den Zigarettengestank aus den Gardinen ihrer “Mietpartei”, obwohl sie selbst das Rauchen verabscheut.

Ich muss in diesen Tagen meinen Anteil am Haus meines Vaters verkaufen; sein Erhalt übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Geschwister, denen es gehört. Keiner von uns hat die Chance eines “Erwirb es, um es zu besitzen”. Vielleicht war unser Vater zu ehrgeizig, als er baute. Unsere Vorfahren – ihre Geschichte habe ich im “Blick vom Turm” aufgeschrieben – wussten wenig über die Nöte und Bedürfnisse nachfolgender Generationen. Wir müssen ihren Erwartungen nicht gerecht werden. Aber es hinterlässt mir ein tiefes Gefühl von Unbehagen und Trauer, welche Defizite ich den Nachkommen hinterlasse, wenn ich jetzt das Haus meines Vaters verschleudere, “weil der Markt mich dazu zwingt”.

Brüchige Stimmen

abhauenNein: Literatur ist das nicht. Die beiden mit historischen Fotos bedruckten Taschenbücher zeigen ebenso wenig Ehrgeiz auf einen exponierten Platz im Bücherschrank wie ihre Autoren ihn auf Buchpreise haben dürften.

70Meter Angst

Diese Autorinnen und Autoren haben die Geschichte ihrer Konflikte erzählt, Jürgen Kleindienst und Ingrid Hantke vom Zeitgut Verlag haben sie behutsam zur Veröffentlichung vorbereitet, so dass die sehr unterschiedlichen Erzähler-Stimmen erhalten sind, von ihnen ragt keine heraus, fast alle prägen sich ein, keine mag ich einzeln bewerten, es sind Stimmen ihrer Zeit, wie sie auch Steven Spielberg der Nachwelt überliefern wollte, einige sind verstummt.

Hat jemals ein Abschnitt der deutschen Geschichte derart viele Protokolle, Zeugenberichte, literarische Versuche hinterlassen wie die Zeit zwischen der deutschen Teilung und der Gegenwart? Jedenfalls hat kein Genre auf sie verzichtet. Ich habe Feuilleton-Redakteure über die “Flut der DDR-Bewältigungstexte” stöhnen hören, wundere mich beinahe, dass ausgerechnet diese kunstlosen, sprachlich wenig originellen Erzählungen unter den Titeln “Abhauen oder hierbleiben? – Im Konflikt mit dem DDR-System. 1949 – 1961” und “Siebzig Meter Angst – Fluchtgeschichten aus der DDR. 1961 – 1989” mich durchweg interessierten. Die beiden Bändchen sind eine Auswahl aus einem vermutlich viel größeren Fonds, den der Verlag im Laufe der Jahre zusammengetragen hat, und daran hat er gut getan.

Diese Sammlung ist jedenfalls ein Beleg dafür, wie sich Macht, vermeintlich im Besitz wissenschaftlicher Wahrheit, darüber täuscht, was Menschen bewegt. Die Wahnvorstellung, unser Denken, Handeln, unser Glück und Leiden an Plänen ausrichten zu können, trifft auf eine Mannigfaltigkeit persönlicher Lebensentwürfe, an der sie scheitern muss. Manche dieser Entwürfe in den beiden hier vorgestellten Büchern sind mitleiderregend schlicht, viele liegen mir, dem Leser, fern. Einige haben Motive und Dimensionen die an Assange, Manning, Snowden erinnern. Aber nicht das verleiht den Erlebnisberichten ihren überzeitlichen Wert. Er liegt in Kräften, die Menschen unterschiedlichster Herkunft, Hautfarbe, Religion, Bildung unabhängig vom Geschlecht oder Lebensalter verbindet: sie wollen frei und selbstbestimmt über ihren Weg entscheiden, sie wollen ihn unter Schmerzen gehen oder leichtsinnig, von Zorn getrieben oder von der Liebe, von Einsichten oder weil sie einfach nicht wissen, dass Sprengminen Hackfleisch aus ihnen machen oder die Schussbereitschaft “bewaffneter Organe” mit anschließender Kremierung sie als Aschehäufchen zur Familie zurückbringen könnte. Fehlte ihnen die Phantasie über mögliche Folgen einer Flucht?

Was den Wert dieser Bücher ausmacht: Mehr als jede “Phantasy” zeigen sie die Phantasielosigkeit der Herrschenden, mehr als jeder noch so ambitionierte Krimi aus ewiggleichen Versatzstücken lassen sie einen spüren, dass wahres Leben immer und immer wieder nur das eigene ist, dass noch so Unterhaltsames, “spannungsvoll” Zurecht-Gemachtes meist nichts als den Ritualen ordnungsmächtiger Verblödung dient.

Nach Lektüre der beiden kargen Taschenbücher lasse ich mit mehr Bewusstsein alles links liegen, was auf gutes Feeling in der Vermarktungsgemeinschaft der Bestseller von Krimis, Horror, Phantasy, History, sonstigen Preisträgern im Dienste konformer Monokultur zielt oder – ganz einfach – all das, was unter der Last ihrer traurigen Existenz leidende Feuilletonredakteure für wichtig ausgeben.

 

“Abhauen oder hierbleiben? – Im Konflikt mit dem DDR-System. 1949 – 1961” und “Siebzig Meter Angst – Fluchtgeschichten aus der DDR. 1961 – 1989”, Zeitgut Verlag Berlin 2013, zusammen 13,80 €

Wolfgang Korn “Von der Lust am Eigensinn”

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Das Buch erscheint am 29.9.12; mir wurde es vom Verlag freundlicherweise vorab zur Verfügung gestellt.

Dem Titel konnte ich nicht widerstehen, und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Wolfgang Korn, Journalistenkollege aus Hannover mit bevorzugtem Arbeitsgebiet Geschichte, hat seine 11 Beispiele geschickt gewählt. Mit Thomas Müntzer und Wallenstein beginnt ’s, mit Franz-Joseph Strauß, Ulrike Meinhof und Rudolf Bahro endet ’s: eine lesenswerte Reihe von Feuilletons übers Berühmtwerden durch Kanten, Unberechenbarkeit, Intuition, Widerborstigkeit.

Sucht einer nach Gemeinsamkeiten der Frauen und Männer in dieser Galerie, stößt er unvermeidlich darauf, dass sie sogar innerhalb der politischen Lager oder Strömungen, denen sie sich selbst zuordneten, umstritten blieben. Allesamt vermochten sie zu begeistern mit Ideen oder Erfindungen, Anhänger zu sammeln; sie hatten überlebensgroße Fähigkeiten, Menschen für riskante Pläne zu begeistern, sogar für Bewegungen mit fragwürdigem Ziel zu mobilisieren. Sie sind zugleich Projektionen durchaus verbreiteter Wünsche nach Überlebensgröße von Vorbildern ohne Vorbild.

Korn ist den besonderen Qualitäten seiner Figuren nachgegangen und ihren Defiziten, beschreibt sie handelnd in den Krisen und Konflikten ihrer Zeit – meist gegen Mehrheitsmeinungen oder gesellschaftliche Rituale. Er hat gefragt, ob und inwieweit sie die Rolle gespielt haben, in der Historiker sie zeigen, Geschichtenerzähler, routinierte Meinungsbilder. Das habe ich gern gelesen, weil ich zum Dialog, auch zum Widerspruch ermuntert wurde, weil mir die – so und so weit bekannten – Größen in unbekannten Zusammenhängen erschienen und sich Möglichkeiten neuer Bewertung ergaben. Das gelingt freilich im Falle Thomas Müntzer angesichts nur weniger Quellen nicht so intensiv wie bei den gut dokumentierten Figuren der jüngsten Vergangenheit, aber es bleibt ein deutlicher Gewinn gegenüber rein lexikalischen Auskünften, von den meisten journalistischen zu schweigen.

Wer mag, kann Korns Querverweisen folgen und die empfohlenen ausführlichen Biographien lesen; er selbst hat sich reichlich mit Hintergrundwissen gerüstet, ohne gelehrsam zu erscheinen. Die Auswahl vom Bauernführer über die Frauenrechtlerinnen des 19. Jahrhunderts zu Kaiser Wilhelm II. und zum Chemiker Fritz Haber ist zudem so abwechslungsreich wie die politischen Lager kontrovers. Ich habe mich gut unterhalten, denn die Konfliktfelder der Eigensinnigen von einst sehen denen der Eigensinnigen von morgen ziemlich ähnlich.

Wolfgang Korn “Von der Lust am Eigensinn”; Theiss Verlag 2012, 19,95 €